Donnerstag, 5. Mai 2011

Men in fur

Seit einem Jahr verarbeite ich mit Fotos und Videos die Geschichte der Pelzfirma meiner Familie. Meine Beziehung zu diesem Gegenstand ist zwiespältig. Ich kann mich noch an meinen Schmerz als Kind erinnern, als ich die toten Tiere im Geschäft meines Vaters sah. Aber ich habe mein ganzes Leben immer wieder meine Fotografie einsetzen müssen, als die Firma Modefotos brauchte.

"Men in fur" ist eine Serie von Männer-Porträts, die ich ohne Auftrag der Familie gemacht habe (die Firma ist inzwischen Pleite). Die Männer posieren wie stereotypische Frauenmodels in Pelz. Was bei Frauen normalerweise als sexy interpretiert wird (nackte Haut und Körperposition, die für den Voyeur einladend wirkt), suggeriert hier eine Ambiguität zwischen den Geschlechter und eine Ästhetik, die nicht mehr viel mit der zum Verkauf eingesetzen Modefotografie zu tun hat.

furmen

Dienstag, 22. März 2011

Orfeo in Venezuela



Piñattas sind Puppen aus Pappe, die in Lateinamerika den Kindern zum Geburtstagsfeier geschenkt werden. Man füllt sie mit Süssigkeiten, hängt sie an einem Seil, bindet die Augen der Kinder zu und gibt ihnen einen Stock. Jetzt müssen die Kinder die hängende Puppe mit dem Stock fest klopfen, bis sie bricht und ihr süssen Inhalt herauskommt. In Venezuela gibt es auch Piñattas für Erwachsene, die mit ihren ausgeprägten Genitalien an Fruchtbarkeitidole erinnern. In Caracas habe ich mit einem männlichen und einer weiblichen Piñatta den Mythos von Orpheus und Eurydike rekonstruiert und reinterpretiert: es ist eine Geschichte von Gleichgültigkeit, Strafe und Trauer geworden.

Donnerstag, 9. Juli 2009

artificial green video: golf subversiv


Mit dem Video „Golf subversiv" dokumentiere ich kurze Performances, die ich auf und außerhalb von Golfplätzen, mit und ohne Golfausrüstung gemacht habe. Der künstlerische Ansatz dieser Performances ist der kritische und humoristische Blick auf die traditionelle Rolle der Frau, welche auch in der Gesellschaft der „Golfspieler" erwartet wird. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist meine Überzeugung (gegen die Regeln meiner sportlichen Erziehung), dass Lebendigkeit und Kunst dort entstehen, wo man Regeln neu erfindet und einsetzt.

Weitere Arbeiten zu artificial green: Caddy, YouTube, Fotos

Dienstag, 26. Februar 2008

artificial green fotos

https://photos.app.goo.gl/ZaoFNeEsSBekCRrT9

Golf ist eine Welt für sich mit eigenen Regeln, Kodes und einer eigenen Ästhetik. In meiner Arbeit wird das Golfspielen als Metapher für eine von sichtbaren und unsichtbaren Regeln geprägte Welt verwendet. Golf ist in der Vorstellung von vielen eine Sportart, die ausschließlich von Reichen und Schönen praktiziert wird. Das macht den Golfsport als einen Mythos attraktiv, an dem Reiche und „Adabeis“ hier auf dieser Erde teilnehmen können. Das „Handicap“ stuft den Golfspieler genau ein. Ein gutes Handicap ist ein besserer Passierschein in einer gewissen bürgerlichen Gesellschaft als ein gutes Bankkonto. Für mein jahrelanges interessieren mich sowohl die gesellschaftlichen wie auch die landschaftlichen Aspekte: der Eingriff in die Natur, die prätentiöse Architektur der Clubhäuser, die Kleidungs- und Verhaltenskodes. Ich verwende die Farbfotografie, wenn ich den grellgrünen Kunstrasen aufnehme, der für das Üben bestimmt ist; die s/w Fotografie scheint mir dagegen für die Portraits geeigneter zu sein. Als Leistungssportlerin wird mein Projekt zu einer Gratwanderung zwischen dem Sporteifer und dem kritischen Blick. Viele der für diese Fotoarbeit ausgewählten Plätze befinden sich in historisch oder industriell belasteten Gegenden. Und übrigens: in Krimiserien spielt der Böse oft Golf …

Mittwoch, 7. März 2007

china


Ich lerne seit nunmehr 4 Jahren chinesisch. Seit gutem einem Jahr mache ich für eine italienische Firma Modefotos und Videos in China. In meiner Freizeit versuche ich das Leben dort zu meistern. Dafür habe ich eine Strategie entwickelt: Videominiaturen, in denen ich jeweils unterschiedliche Rollen übernehme. Es sind Situationen, die mir als Frau aus dem Westen fremd sind. Die Unterschiede zwischen meinem Tun als Darstellerin und Videomacherin, zwischen mir als Subjekt und Objekt, zwischen Bild und Abbild, werden beseitigt. Dieser Vorgang ist eine Anlehnung an die Praxis der Performance-Künstlerinnen der 70er Jahre. Ein Umstand, der mir hilft, meine Auseinandersetzung mit China kritisch und humorvoll zu hinterfragen.